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"Die Arbeit von pbi zeigt, dass die Begleitung von Leuten, die unter einem autoritären Regime, Intoleranz und staatlicher Gewalt leiden, unschätzbar und absolut nötig ist."
<Rigoberta Menchú Tum, Friedensnobelpreisträgerin>
  Menschenrechte in Mexiko  
 
Schönes Mexiko und raues Guerrero sind zwei unterschiedliche Beschreibungen desselben Landes. Die Schönheit des Landes ist atemberaubend und die Vielfalt der Kulturen einmalig. Aber Mexiko ist auch ein schwieriges Land für MenschenrechtsverteidigerInnen. Amnesty International berichtet von zunehmenden Menschenrechtsverletzungen im ganzen Land. Alarmierend ist vor allem die Straflosigkeit, die in einem Bericht der UNO auf ca. 89% der Fälle von Menschenrechtsverletzungen geschätzt wird.

Bis Juli 2000 war die PRI (Partido Revolucionario Institucional) über 70 Jahren lang ununterbrochen an der Regierung in Mexiko. Besonders seit Ende der achtziger Jahre wuchs die Opposition und damit auch die Repression seitens der Regierung gegen jegliche oppositionelle Strömung. Guerillabewegungen erstarkten. Auch nach dem Machtwechsel im Jahr 2000 ist die Militarisierung in einigen Regionen weiterhin sehr groß. Ebenso in Mexiko Stadt, wo immer mehr Polizeieinheiten durch Militärs geführt oder besetzt werden.

In vielen Gebieten existieren paramilitärische Gruppen, die mehr oder weniger offen von staatlicher Seite geduldet und unterstützt werden. Die daraus entstehende Polarisierung der Gesellschaft trägt dazu bei, dass sich die Menschenrechtssituation vor Ort, vor allem in den südlichen Bundesstaaten Chiapas, Oaxaca und Guerrero stark verschlechtert. Dies ist dort zunehmend in den indigenen Gemeinden zu beobachten.

Die Liste der Menschenrechtsverletzungen reicht von unterschwelligen Drohungen und dem illegalen Eindringen und Durchsuchen von Häusern und Büros bis zu bewaffneten Überfällen und Vertreibungen ganzer Dörfer, Folter und Mord.

Datum: 12.10.2005 Autor: as
 
 
 
  Mexiko-Stadt, Guerrero und Oaxaca  
 
Mexiko-Stadt
Der Tod der renommierten Anwältin Digna Ochoa im Jahre 2001 und in diesem Zusammenhang stehende Morddrohungen an MenschenrechtsaktivistInnen führten zu verschiedenen Anfragen auf internationale Schutzbegleitung in Mexiko-Stadt. Im Moment begleitet pbi Emiliana und Francisco Cerezo Contreras, Mitglieder des “Comité Cerezo für die Freilassung politischer Gefangener in Mexiko”. Beide Geschwister sind selbst Angehörige politischer Gefangener und erhielten im Mai 2004 erneut Morddrohungen auf Grund ihrer politischen Aktivitäten. Diese waren umso brisanter, da kurze Zeit vorher ein Student, der lose mit dem Comité Cerezo zusammenarbeitete, ermordet aufgefunden wurde.

Guerrero
Abel Barrera vom Menschenrechtszentrum der Berge “Tlachinollan“ in Tlalpa, erzählt nicht nur von Drohungen, die er wegen seiner Menschenrechtsarbeit erhalten hat. Vor dem Gebäude seines Büros wurden Leichen von Lehrern, die gefoltert und ermordet worden waren gefunden. Nicht ein einziger Mord, nicht ein einziger Akt der Folterung ist bisher aufgeklärt worden, berichtet er.

Oaxaca
Estéla García Ramírez aus der Region Loxicha im Bundesstaat Oaxaca berichtet, wie ihr Mann nachts von teilweise vermummten Männern von denen einige die Uniform der Polizei der Staatsanwaltschaft trugen, nackt aus dem Haus gezerrt wurde. Frau Ramirez wurde an den Haaren gepackt und zu Boden geworfen als sie versuchte ihrem Mann zu Hilfe zu kommen. Auf dem Boden liegend, den Fuß eines der Eindringlinge im Nacken, hörte sie Schüsse vor der Tür. Ihr Mann starb an sieben Einschusswunden. Er wurde beschuldigt, der Guerilla EPR anzugehören. Die Täter wurden nicht gefasst.

Datum: 10.6.2006 Autor: as
 
 
 
  pbi in Mexiko  
 
Bereits seit 1996 ist pbi Mitglied der Koalition SIPAZ, welche in Chiapas durch die Begleitung von MenschenrechtsverteidigerInnen und Dorfgemeinschaften internationale Präsenz in der Krisenregion garantiert. Als Beitrag zu einer aktiven Konfliktlösung in der chiapanekischen Gesellschaft führen sie außerdem Bildungsseminare zu gewaltfreier Konfliktbearbeitung durch.

Auf Anfrage mehrerer Menschenrechtsorganisationen gründete pbi 1999 ein eigenes Mexiko-Projekt. Besonders aus den Staaten Guerrero und Oaxaca, sowie aus Mexiko Stadt erreichen das Team seither regelmäßig Anfragen von Menschenrechtsverteidigern und Opfern von Menschenrechtsverletzungen nach internationaler Schutzbegleitung.

Ende des Jahres 2001 wurde ein Team in Chilpancingo, der Hauptstadt des Bundesstaates Guerrero eröffnet. Hier liegt auch zurzeit der Schwerpunkt der Arbeit, da die Anfragen auf schützende Begleitung besonders in Guerrero in den letzen Jahren beträchtlich zugenommen haben. Zudem ist pbi die einzige internationale Organisation mit konstanter Präsenz in diesem Bundesstaat. Weiterhin wird aber auch in Mexiko-Stadt begleitet sowie der Kontakt mit Regierungsstellen und dem Diplomatischen Korps gepflegt. Desweiteren führte pbi zusammen mit mexikanischen Menschenrechtsorganisationen mehrere Workshops zu Sicherheitsfragen von Menschenrechtsverteidigern durch.

In den fast sechs Jahren, die pbi nuneigentständig in Mexiko arbeitet, wurden mehr als zehn verschiedene Organisationen und Personen begleitet. Bei einer Evaluierung des Projektes im Mai 2004 wurde von zahlreichen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren die Bedeutung der Präsenz von pbi in Mexiko hervorgehoben.
Datum: 10.6.2006
 
 
 
  Mehr Infos  
 
Weiterführende und aktuelle Informationen finden Sie

Für Auskünfte zur Verfügung steht Ihnen ferner die Mexiko-AG der deutschen Ländergruppe zur Verfügung.

Datum: 12.10.2005 Autor: as